Da kam eines Tages …

Ob Geschichten aus Vietnam, dem luzernischen Hinterland, aus Afrika, London - immer sind es erlittene oder präzis gesehene Stücke Leben.




Der Satz aus der Geschichte Ein glücklicher Sommer ist Programm: Da hebt ein mitreißender Erzähler an. Einer, der Geschichten erlebt, hört und weitergeben kann mit Kopf, Herz und Sprache. Al Imfeld ist einer der seltenen Dichter, die mündliche Erzählkunst so hervorragend beherrschen, daß man um die literarische Fassung bangen müßte, wären da nicht diese überraschenden, zum Teil gar lehrreichen, immer überzeugenden «Materialien», die ihre Kraft und Farben auch in der schriftlichen Aufzeichnung behalten. Schicksale, Ereignisse, Not- und andere Fälle, die auf dem kleinen Schattenhof der großen Imfeld-Familie am Napf, in der Innerschweiz geschehen, stehen neben ebenso eindrücklichen Geschichten, die in Afrika, Vietnam, Lourdes oder London passieren. Die Sichtweise geht meistens vom staunenden, weltoffenen Jungen zum groß Scheinenden, zum sogenannt Erfahrenen hin. Dabei finden oft mehr oder wenige sanfte Entlarvungen statt - wie bei den cool imponierenden Onkeln «der Großhotels» aus London; wie beim Bischof aus Afrika, der unliebsame Besucher vergiftet; oder wenn der Nachbar beim Schlafwandeln vom Dach stürzt. Einige Wasser fließen hier: Cola als Machtsymbol des schwarzen Potentaten; Lourdes-Wasser als Machtsymbol der Kirche und einer riesigen Heiligen-Industrie; vom Regenmacher mit Hilfe Weißer herangezaubertes Wasser; oder die phantastische Schilderung von Wasserfällen in verschiedensten Gegenden der Welt - wobei fast immer der rätselhafte N'ganga auftaucht. Sehr unterschiedliche Arten von Pfarrern lernen wir kennen: Den machtvollen Pfarrer aus dem Hinterland, der es mit den Frauen hielt; mit ihrer Hilfe lenkte er unmerklich seine Gemeinde. Father Josefs überwältigend Vitalität und Toleranz in der südafrikanischen Bergwerkstadt. Angehende Priester, die sich ihr Studiengeld selber erbetteln mußten in ihrer Umgebung – kollektieren hieß die unmenschliche Sitte. Eine der eindrücklichsten Geschichten ist die vom Tag des Kriegsendes: auf dem Schattenhof geben die Kühe mehr Milch, die Menschen sind für einen Moment ausnahmslos glücklich, auch die Tiere scheinen erleichtert, und sogar das Wetter macht den Frieden mit. Aber was unternimmt «die Gemeinschaft», wenn der Kurmann Hans zuviel grübelt, sich «hintersinnet»? Oder wenn Call Girl zum Ave Maria wird? Oder wenn ein Entwicklungshelfer mit Hilfe eines Totenschädels vertrieben wird? Oder wenn der Sigrist den offiziellen Weihnachtsbaum ausgerechnet bei den Ärmsten klaut.

Gebunden, 144 Seiten, SFr/DM 32.-

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